v.l.n.r.: Skizzenmodelle und Versuche zum Thema „Spreitzungen“. Ca. 10 cm hohe Holzminiaturen.

Verschiedene Bänder, Balken, Rippen oder Stege entstammen einem Grundkorpus, separiert voneinander durch einen Längsschnitt, eine Kerbung, oder Splitterung. Weitgehend getrennt, teilen sie sich noch die gleiche Ausgangsbasis bis sich „widrige neue Umstände“ (künstlerische Gewalt) dazwischen keilen…das Material wird gedehnt, die „Gleichartigen“ voneinander gespreizt. Die Gemeinsame Basis hat nun eine Zerreisprobe zu bestehen, `hat Ihre gewachsene Festigkeit zu demonstrieren. Gleichsam müssen die „gespreizten“ Elemente Dehnbarkeit beweisen…in einem ungeahnten Ausmaß.

v.l.n.r.: Spreizkurve, Apfelbaum, 63 x 260 x 70 cm, Die Fächerbrücke aus einem Kirschholzkorpus ca.90 x 250 x 50 cm

Das Prinzip für Veränderung lautet: Neues drängt sich in Bestehendes. Einer möglichen Trennung geht immer eine Spreizung im Sinne einer Zerreisprobe voraus. Ist diese bestanden, folgt der Moment der Entspannung…der Fügung aller Beteiligten in die neuen Umstände, die neue Ordnung, die neue Gesamtgestalt. Nach der Entspannung beginnt für die „Spreizobjekte“ eine Phase der Trocknung und Verformung. Die neue Form verliert an Saft und gewinnt an Stabilität und homogener, neuer Ästhetik…bis neue Umstände einen wiederholten Belastungstest fordern.

v.l.n.r.: gerippter Spreizbogen, Apfelbaum, 53 x 230 x 60 cm, Spreitzbandwand (im Besitz des ELF Ministeriums München) Eiche, 200 x 90 x 12 cm. Spreitzbandwand liegend.

Brechen oder wiederstehen, anpassen oder angepasst werden heißt ein Prinzip der Evolution. „Neugier verhindert den Bruch“. Je ausgeprägter die Neugier, desto geringer die „Bruchgefahr“ bei Belastung. Der dehnbare Ast im Saft steht für die Neugier. Die Triebfedern der Evolution zeigen also zwei Optionen: eine erfrischende, vorbeugende und eine wiederständige ängstlich-erstarrte. Auch der Künstler wird „federnd getrieben“, „zum abfedern angetrieben“ um aus der Not eine Tugend und aus der Tugend neue Kunst zu definieren –

Olli Marschalls Spreizkunst gibt dem Ast, dem Baum ein neues Antlitz mittels Aufschnitt in Faserrichtung und pressender- sowie dehnender Einflussnahme. Überdehnte Fasern reißen, oder fügen sich in eine neue Ästhetik. Alle aufgefächerten, gekeilten, gespreizten und verbogenen Arbeiten wurden nur mit einer feinen Kettensäge erstellt. Keilende Elemente sind aus dem gleichen Holz gemacht. Derzeitige Spreitzobjekte sind aus Zeder, Obstbaum, Eiche oder Kiefer gearbeitet. Die Werke sind- abgesehen von den ca. 15 cm großen Modelversuchen, zwischen 200 bis 350 cm maximaler Ausdehnung.

v.l.n.r.: Spreitzleiter, Tanne mit gesteckten Zedernrippen, 250 x 140 x 50 cm. Spreizvissage, Zeder, 240 x 90 x 15 cm. Bild drei u. vier: Spreizkantspirale (Neusäßer Kunstpreis 2016…nicht mehr im Künstlerbesitz!), Eiche, ca. 220 x 60 x 60 cm. Bogenbrücke, Apfelbaum, 220 x 60 x 50 cm